Begegne dem Pferd und finde dich selbst

Ich gehöre zu den glücklichen Menschen die es erleben durften wie es ist, wenn ein Pferd alles für seinen Menschen gibt. Ich durfte mich von meinem Pferd ohne Sattel und ohne Zaum über Brücken, Gräben und durch Schluchten tragen lassen. Ich hatte wenig Einfluss auf den Weg oder das Tempo aber ich war nie in meinem Leben so sicher aufgehoben wie in diesen innigen Momenten. Ich durfte mit meinem Pferd zu Fuss durch die Wälder streifen ohne Seil ohne Zwang, sie war immer bei mir.

Nur dann ist dieses eine Pferd verschwunden, aus meinen Augen in mein Herz gezogen und ich war alleine auf mich gestellt. Was nun? Wie bekomme ich ein anderes Pferd dazu, mir genau das zu schenken? Nach Jahren der Suche kann ich nur eine Antwort geben: mit dem Herzen.
Es gibt kein Training, keine Methode, kein besonderes Pferd welches mir dieses Gefühl, dieses Glück, dieses absolute Vertrauen bringen kann. Es geht nur durch die Verbindung zweier Herzen.
Nun ja, Flying Hope ist weg und jedes andere meiner mittlerweile 15 Pferde verweigert mir diese Verbundenheit. Ich habe mich auf den Weg gemacht um herauszufinden warum dem so ist.
Was habe ich daraus gelernt? keine Forderung stellen. Das Pferd schuldet mir nichts! Auch dann nicht, wenn ich es aufgenommen habe, ihm Liebe schenke, es Füttere und Pflege und es mit den besten, bewärtesten Methoden ausbilde. Auch dann nicht, wenn ich ihm das aller beste Material besorge. Nein es schuldet mir nichts denn es war ganz alleine meine Entscheidung es zu holen!
Wie kann ich nun meine kleine "Reitschule" mit diesem Wissen weiterführen. Aufhören geht nicht, zu viel steht auf dem Spiel und wenn ich ehrlich bin: so feige möchte ich nicht sein. Aber wie denn?
Die Antwort habe ich in den Augen meiner Pferde gefunden. Mit unserer Hilfe. Lass uns mitreden, lass uns gemeinsam mit den Kindern die Begegnungen gestalten. Was ich im Ansatz ja bereits tat aber eben nur im Ansatz.
Es ist die Erinnerung an Flying Hope, an die Freiheit die uns beide verband, die mir die Lösung zeigt. Woher kam die Verbundenheit? Aus unserer Freundschaft. Und diese Freundschaft entstand frei von jeglichem Einfluss von Erwachsenen! Wir waren Kinder, haben gespielt, getobt einander gejagt, einander gekrault. Keiner stand da und sagte mir Achtung, was du da machst ist gefährlich, keiner sagte mir was du machst ist falsch und NIE hat Flying Hope mir weh getan, NIE!

Gefährlich wurde Flying Hope erst, als ich anfing sie zu reiten. Weil Reiten, dass tat ich nicht mit liebe, sondern wie ich es gelernt hatte, mit Gewalt. Ich galt als sehr talentierte Reiterin, meine Reitlehrer lobten mich immer und ich wurde speziell gefördert. Aber Flying Hope hat diese Art zu Reiten nicht geduldet. Sie hat sich wehement gewehrt und mir damit geholfen, einen anderen Weg zu finden. Einen Weg den wir beide gemeinsam gehen konnten.
Es sind diese Erinnerungen, die mich jetzt begleiten auf meinem neuen Weg mit den Kindern und den Pferden.

Das Wissen darum, dass Pferde nur sicher sind wenn sie frei sind! Und das wir Menschen Pferde nur dann frei lassen können, wenn wir wissen wer wir sind.

Der Begegnungshof ist keine Reitschule, er ist ein Ort  der Begegnungen. Ich bin keine Reitlehrerin, ich begleite und übersetze. Und wer sich Zeit nimmt um das Pferd kennen und verstehen zu lernen,  kann bei uns auch reiten lernen. Das reiten mit einem freien Pferd.